Treffpunkt
Röthelheimpark
Offene Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Vorträge, Kurse, Eltern-Kind Gruppen, Raumvermietung und Materialverleih. Das Stadtteilhaus bleibt leider bis auf weiteres komplett geschlossen. Sie erreichen uns am besten per Mail (siehe Kontakt). Hinweis zu Corona Informationen vom BJR zu Corona Zum Kalender

Treffpunkt Röthelheimpark

– Konzept

Trägergemeinschaft:

Gemeinde St. Matthäus & Stadtjugendring Erlangen

Inhaltsverzeichnis

1    Rahmenbedingungen

2    Organisation

2.1     Träger

2.2     Personal

2.3     Organisationsstruktur

2.3.1     Die vier Säulen des Hauses

2.3.2     Die Leitungsstruktur

2.3.3     Die Hausversammlung

2.4     Räumlichkeiten

2.5     Finanzen

2.5.1     Personalkosten

2.5.2     Finanzierung Arbeitsmaterial / Sachkosten

2.5.3     Finanzierung der Betriebskosten

2.5.4     Finanzierung Hauserhaltung

2.6     Evaluation

2.6.1     Interne Evaluation

2.6.2     Externe Evaluation

3    Leitlinie des Stadtteilhauses

4    Zielgruppen

5    Ziele der Einrichtung

5.1     Allgemeine Ziele

5.1.1     Offenheit und Begegnung

5.1.2     Bildung

5.1.3     Lebendiger Stadtteil

5.1.4     Anlaufstelle und Treffpunkt für Kinder und Jugendliche

5.1.5     Förderung und Unterstützung des Ehrenamts

5.1.6     Hilfe zur Selbsthilfe

5.1.7     Vernetzung und Kooperation

5.2     Spezifische Ziele der Offenen Kinderarbeit

5.2.1     Stärkung der sozialen Kompetenzen

5.2.2     Unterstützung bei Problembewältigung

5.2.3     Bedürfnisse der kindlichen Entwicklung wahrnehmen

5.2.4     Partizipation und Selbstverantwortung

5.2.5     Prävention

5.2.6     Interkulturelle Kompetenz

5.2.7     Demokratische und gesellschaftliche Grundprinzipien

5.2.8     Förderung eigener kreativer und individueller Kompetenzen

5.2.9     Gewinnung Ehrenamtlicher

5.2.10     Kooperation und Vernetzung

5.3     Spezifische Ziele der Offenen Jugendarbeit

5.3.1     Stärkung sozialer Kompetenzen und der Persönlichkeitsentwicklung

5.3.2     Beteiligungsmöglichkeiten erarbeiten und ermöglichen

5.3.3     Unterstützung bei Problembewältigung

5.3.4     Förderung der individuellen Kompetenzen

5.3.5     Jugendarbeit präventiv gestalten

5.3.6     Demokratie lernen ermöglichen

5.3.7     Erwerb interkultureller Kompetenzen ermöglichen

5.3.8     Kooperation aktiv anstreben

5.4     Spezifische Ziele der Stadtteilarbeit

5.4.1     Orientierung an den Bedürfnissen der Bewohner

5.4.2     Förderung von Engagement und Toleranz

5.4.3     Bildung und Bewusstseinsförderung

5.4.4     Vernetzung im Stadtteil

5.5     Sozialpädagogische Ansätze und Angebote der Offenen Kinderarbeit

5.5.1     Sozialpädagogische Ansätze der OKA

5.5.2     Angebote und Methoden der OKA

5.6     Sozialpädagogische Ansätze und Angebote der Offenen Jugendarbeit

5.6.1     Sozialpädagogische Ansätze der OJA

5.6.2     Angebote und Methoden

5.7     Sozialpädagogische Ansätze und Angebote der Stadtteilarbeit

6    Fazit

1. Rahmenbediungungen

Das Stadtteilhaus liegt an der Schnittlinie zweier Siedlungsgebiete, die von der sozialstrukturellen Beschaffenheit teilweise erhebliche Differenzen aufweisen.

Westlich des Hauses erstreckt sich die Housing Area des ehemals in Erlangen angesiedelten amerikanischen Militärstützpunktes mit zukünftig rund 1.600 Einwohnern (vor der geplanten Nachverdichtung 900 Einwohner). Ein Großteil der dort lebenden Familien ist von materieller und sozialer Benachteiligung betroffen. Dies bezieht sich insbesondere auch auf Alleinerziehende, die im gesamtstädtischen Vergleich dort überproportional häufig vertreten sind. Die Anzahl an Personen im Alter von unter 18 Jahren umfasst gut zwei Fünftel der Wohnbevölkerung im Stadtteil und ist damit im gesamtstädtischen Vergleich ebenfalls überproportional hoch. Von den Haushalten mit minderjährigen Kindern sind etwa 12% Alleinerziehenden Haushalte. Stand 2016 stellen Einpersonen- und Seniorenhaushalte die Ausnahme in der Besiedelungsstruktur dar; es ist ein überproportional hoher Anteil an Haushalten mit vier und mehr Personen zu verzeichnen. Weiterhin bemerkenswert ist der überdurchschnittlich Anteil von Bewohnerinnen und Bewohnern mit Migrationshintergrund mit knapp 55% (Ausländer, Eingebürgerte, Optionsdeutsche, Aussiedler). In unmittelbarer Nähe zum Stadtteilhaus befindet sich außerdem eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Durch die geplante Nachverdichtung im Bereich der Housing Area wird sich die Besiedelungsstruktur vermutlich verändern.

Nordöstlich des Stadtteilhauses schließt sich das Neubaugebiet des Röthelheimpark an, das seit 1994 progressiv erschlossen wurde. Wie für ausgewiesene Neubaugebiete typisch weist es einen hohen Anteil an jungen Familien mit ein bis drei Kindern auf. Die sozioökonomische Situation innerhalb des Gebietes ist bei einem hohen Anteil an Wohneigentümern stabil bis hoch, wobei besonders die hohe Akademikerquote auffällig ist. Der Ausländeranteil innerhalb des Neubaugebietes liegt deutlich unter dem der Housing Area.

2. Organisation

2.1 Träger

Träger des Stadteilhauses „Treffpunkt Röthelheimpark“ ist eine Trägergemeinschaft, die aus der evangelischen Kirchengemeinde St. Matthäus (StM) und dem Stadtjugendring Erlangen (SJR) des Bayerischen Jugendrings K.d.ö.R. besteht. Die Trägergemeinschaft ist durch einen Kooperationsvertrag begründet, der unter anderem klar definiert, nach welchem Modus über Geld, Personal, Ziele und Zielgruppen des Hauses entschieden wird.

Die Trägergemeinschaft wird durch ein vierköpfiges Gremium geleitet, das sich “Geschäftsführung – Trägergemeinschaft“(GF-TG) nennt. Dieses Gremium ist Ansprechpartner in allen vertraglichen, rechtlichen und finanziellen Belangen, vertritt die Trägergemeinschaft nach außen und ist das Bindeglied zur Kommunalpolitik und zur Stadtverwaltung.

Die GF-TG besteht aus zwei Ehrenamtlichen bzw. deren Vertretern (je einem Kirchenvorstands- und einem SJR-Vorstandsmitglied) sowie aus zwei Hauptamtlichen bzw. deren Vertretern (Pfarrer/in und Geschäftsführer/in des SJR).

Alle Entscheidungen, einschließlich Personalentscheidungen, trifft dieses Gremium mit ¾-Mehrheit der GF-TG. Ist keine Einigung erzielbar, entscheiden die jeweiligen Vorstände der Kirchengemeinde bzw. des Stadtjugendrings. Grundsatzentscheidungen und Personalentscheidungen, die durch die Vorstände von StM und SJR gesondert beschlossen werden müssen, werden durch die GF-TG vorbereitet.

2.2 Personal

Die evangelische Kirchengemeinde St. Matthäus stellt an:

  • Sozialpädagogische Fachkräfte für die Offene Kinderarbeit (OKA)
  • Pädagogische Hilfskräfte für die Offene Kinderarbeit (OKA)
  • Verwaltungskraft (Assistenz der Stadtteilhausleitung)
  • Hausmeister/in
  • Reinigungspersonal

Der Stadtjugendring Erlangen des Bayerischen Jugendrings K.d.ö.R. stellt an:

  • Sozialpädagogische Fachkraft für die Leitung des Hauses und Stadtteilarbeit
  • Sozialpädagogische Fachkraft für die Stadtteilarbeit (Vertretung der Hausleitung)
  • Sozialpädagogische Fachkräfte für die Offene Jugendarbeit (OJA)
  • pädagogische Hilfskräfte für die Offene Jugendarbeit (OJA)
  • Verwaltungskraft (Buchhaltung)

Beide Träger ermöglichen Praktikumsstellen in den einzelnen Abteilungen des Hauses und stellen Praktikant/innen an.

Die Personalausstattung muss im Rahmen der Stadtteilentwicklung und der Angebotsnachfrage regelmäßig überprüft werden.

2.3 Organisationsstruktur

2.3.1 Die vier Säulen des Hauses

Der Treffpunkt Röthelheimpark ist Stadtteilhaus, Bürgertreff, Kinderhaus und Jugendhaus in einem, das Haus steht also insgesamt auf vier Säulen.

Die hauptamtlich geleiteten Säulen des Hauses sind die Offene Kinderarbeit, die Offene Jugendarbeit und die Stadtteilarbeit. Hinzu kommt als vierte Säule die ehrenamtliche Arbeit von Gruppen und Verbänden aus dem Stadtteil.

2.3.2 Die Leitungsstruktur

Die Leitungsstruktur des Hauses sieht drei Ebenen vor:

I.          Geschäftsführung der Trägergemeinschaft

Die GF/TGTG übernimmt die strategische Steuerung der Abteilungen durch Zielvereinbarun­gen und das Controlling.

II.         Hausleitung

Die Hausleitung steht dem Hausteam vor, und ist Ansprechpartner für alle Nutzer.

III.        Hausteam

Das Hausteam besteht aus den Abteilungsleitungen von OKA, OJA und Stadtteilarbeit und wird von der Hausleitung geführt. Dieses Team trifft sich regelmäßig zur Koordinierung der Angebote und gemeinsamen Umsetzung der angestrebten Leitlinien.

2.3.3 Die Hausversammlung

Jährlich lädt die Hausleitung alle im Haus aktiven Gruppen und Verbände zur Hausversammlung. Flankierend zur jährlichen Nutzerumfrage (s. Kapitel 2.6) soll hier die Möglichkeit geboten werden, sich sowohl mit der Leitung als auch den anderen im Haus verorteten Gruppen u.a. über folgende Themen auszutauschen:

  • Erfahrungswerte, was die Nutzung des Hauses anbetrifft (Sauberkeit der Räume, Einhaltung der Nutzungszeiten)
  • Zufriedenheit mit den räumlichen und materiellen Ressourcen sowie dem Service des Teams
  • Wünsche bezüglich der Programmgestaltung im Haus
  • Optionen ehrenamtlichen Engagements im Haus

Die in der Hausversammlung gemachten Vorschläge sind zeitnah vom Hausteam, ggf. in Absprache mit der Geschäftsführung der Trägergemeinschaft, zu prüfen und umzusetzen.

2.4 Räumlichkeiten

Es wird eine optimale Auslastung aller Räume angestrebt (Motto: Aktivität vor Leerstand). Die Mischung zwischen hauptamtlich und ehrenamtlich initiierter Aktivität im Haus benötigt ein differenziertes Nutzungskonzept der Räume. Ein Großteil der Räume ist fest den hauptamtlich bespielten Angeboten zugeteilt. Eine ehrenamtliche Nutzung dieser Räume bei Leerstand ist grundsätzlich wünschenswert. Die Räume werden durch die jeweilige Bereichsleitung vergeben. Begründete Ablehnungen sind möglich. Die Räume der Stadtteil- und ehrenamtlichen Arbeit werden vom Stadtteilarbeiter oder von der Verwaltungskraft an aktive ehrenamtliche Gruppen zeitlich gebunden vergeben. Das zugrunde liegende Raumprogramm befindet sich im Anhang.

Das Stadtteilhaus hält ein vielfältiges Raumangebot vor und ist barrierefrei gestaltet (Behinderten- WC, Aufzug). Es wird eine optimale Auslastung aller Räume angestrebt (Motto: Aktivität vor Leerstand). Die Mischung zwischen hauptamtlich und ehrenamtlich initiierter Aktivität im Haus benötigt ein differenziertes Nutzungskonzept des Raumangebotes. Ein Teil der Räume ist fest den hauptamtlich bespielten Angeboten zugeteilt. Die Räume der Stadtteil- und ehrenamtlichen Arbeit werden vom Stadtteilarbeiter oder von der Verwaltungskraft zeitlich gebunden vergeben. Das zugrunde liegende Raumprogramm befindet sich im Anhang.

Ausschließlich von den Abteilungen OKA/OJA genutzte Räumlichkeiten sind die zwei Clubräume mit ca. 60 und 70 m2. Daneben gehören zu den Abteilungen ein Jungen- und ein Mädchenzimmer für Genderangebote und geschlechtsspezifische Arbeit. Eine ehrenamtliche Nutzung von Jungen- und Mädchenzimmer bei Leerstand ist grundsätzlich wünschenswert. Die Räume werden dann durch die jeweilige Bereichsleitung vergeben, begründete Ablehnungen sind möglich.

Dem Jugendclub „Easthouse e.V.“, basierend auf dem Erlanger Jugendclub-Modell der selbstverwalteten Jugendclubs, steht ein Clubraum von 80m2 und ein kleiner Lagerraum von 10m2 zur alleinigen Nutzung zur Verfügung (Absprachen für eine Nutzung durch die hauseigenen Abteilungen OKA, OJA und STH sind möglich, eine Vergabe an Dritte nicht). Das Jugendfoyer und die darin befindliche Küche sowie die Toiletten werden gemeinsam mit der Offenen Jugendarbeit genutzt. Es besteht eine schriftliche Vereinbarung zur Nutzung der Gemeinschaftsflächen und zur Zusammenarbeit im Stadtteilhaus zwischen dem Jugendclub Easthouse e.V. und der Trägergemeinschaft.

Zweckgebundene, auch von Externen nutzbare Räumlichkeiten, sind der Werkraum (mit der Option, Werkzeugkisten für verschiedene Werkstoffe auszuleihen), ein Fitnessraum mit diversen Trainingsgeräten, ein Computerraum mit aktuell sechs internetfähigen Rechnern, eine große Küche im EG und ein kindgerecht ausgestatteter Eltern-Kind Raum. Diese Räume sind aufgrund ihrer Ausstattung zweckgebunden.

Neutrale, nicht zweckgebundene und von Externen nutzbare Räumlichkeiten sind die drei Gruppen- und Verbandsräume im OG, die Verbänden und Gruppen zwischen 10 und 20 Personen Platz bieten und mit Tischen und Stühlen, sowie Whiteboards und Pinnwänden ausgestattet sind. Die Abteilungen Offene Kinder- und Jugendarbeit können diese Gruppenräume bei Bedarf für Projektarbeit, Hausaufgabenbetreuung, Quali-Vorbereitung u.ä. nutzen. Die Gruppenräume verfügen zusätzlich über anmietbare, verschließbare Schränke für Unterrichtmaterialen o.ä. Eine kleine, für alle Hausnutzer frei zugängliche Teeküche und ein Lager mit Moderationsmaterialien für die Gruppenleiter und Kursgeber befinden sich ebenfalls im OG.

Der große Mehrzwecksaal mit knapp 110 m2 dient der OKA als Sport- und Bewegungszimmer und wird von der Stadtteilarbeit für Vorträge, Kurse und als Versammlungsraum z.B. für Bürgerinitiativen und Hausversammlungen genutzt. Weiterhin wird der Mehrzwecksaal für Privatfeiern, externe Kursangebote, Mieterversammlungen usw. kostenpflichtig vermietet.

Das Foyer des Stadtteilhauses ist der Treffpunkt im Haus und kann im Rahmen der Öffnungszeiten von Anwohnern, Gruppen und Verbänden frei genutzt werden. Bedingt durch die Ausstattung kann das Foyer auch für Cafébetrieb (z.B. Seniorenbrunch) genutzt werden.

Prioritäten

Bei der Vergabe der von Externen nutzbaren Räume haben stets verbandliche, ehrenamtliche und offene, kostenfreie Angebote, Angebote der beiden Träger sowie Angebote aus und für den Stadtteil Vorrang. Verbandliche Jugendarbeit von im Stadtjugendring organisierten Gruppen aus dem Stadtteil hat dabei ein Vorrecht auf die Räume.

Vergabe

Hausleitung und Verwaltungskraft organisieren und verwalten die Raumvergaben und sind für Vertragsabschluss, Schlüsselvergabe und für die Erhebung von Kaution und Nutzungskosten verantwortlich. Die Nutzungsverträge für dauerhafte Angebote sind immer bis 31. Dezember des laufenden Jahres befristet. Raumnutzungsvertrag und Anlagen zum Raumnutzungsvertrag befinden sich im Anhang.

Nutzungskosten

Die Nutzung der Räumlichkeiten ist für ehrenamtliche, verbandliche, kostenfreie und offene Angebote gebührenfrei. Für private, nicht öffentliche oder kostenpflichtige Angebote fallen Nutzungsgebühren an. Die Gebühren der verschiedenen Räumlichkeiten orientieren sich dabei an einem von der Stadt Erlangen vorgegebenen Quadratmeterpreis.

2.5 Finanzen

Die Finanzierung des Hauses erfolgt aus folgenden Quellen:

  • Kommunale Zuschüsse (Stadtjugendamt Erlangen, Amt für Soziokultur),
  • projektbezogene Drittmittel (Stiftungen wie z.B. Bürgerstiftung Erlangen, Aktion Mensch),
  • Spenden,
  • Bußgelder,
  • Betriebseinnahmen aus Vermietung und Teilnehmerbeiträgen.

Bei Bedarfsänderungen setzt sich die Trägergemeinschaft rechtzeitig mit den Zuschussgebern in Verbindung und beantragt ggf. zusätzliche Mittel.

Die Verwaltung der Finanzmittel erfolgt zentral über die Buchhaltung des Stadtjugendrings Erlangen. Innerhalb des Haushaltsplanes des SJRs Erlangen ist für die Bewirtschaftung des Stadtteilhauses ein eigener Abschnitt vorgesehen.

2.5.1 Personalkosten

Die Kosten für das Personal werden durch Zuschüsse des Stadtjugendamtes Erlangen sowie des Amtes für Soziokultur gedeckt.

Dabei bezuschusst das Stadtjugendamt das Personal für die Abteilungen Offene Kinder- und Jugendarbeit sowie für die Buchhaltung; das Amt für Soziokultur bezuschusst das Personal für die Abteilung Stadtteilarbeit, Verwaltung (Assistenz Hausleitung), Hausmeisterdienst und Putzkräfte.

Die Eingruppierungen erfolgen nach den jeweils gültigen Tarifverträgen:

  • Stadtjugendring Erlangen: TvöD SuE sowie TvöD VKA
  • Kirchengemeinde St. Matthäus: TV-L
2.5.2 Finanzierung Arbeitsmaterial / Sachkosten

Die drei durch pädagogische Fachkräfte betreuten Angebotssäulen des Hauses, Offene Kinderarbeit, Offene Jugendarbeit und Stadtteilarbeit, benötigen für ihre Arbeit einen Etat für Programm, Anschaffungen von Geräten sowie Bürobedarf. Dieser Etat setzt sich aus Zuschüssen des Stadtjugendamtes für die Abteilungen Offene Kinder- und Jugendarbeit sowie aus Zuschüssen des Amts für Soziokultur für die Abteilung Stadtteilarbeit zusammen.

2.5.3 Finanzierung der Betriebskosten

Die Betriebskosten für Wasser, Heizung, Strom sowie Wartungsarbeiten (z.B. Aufzug, Brandschutzanlagen) werden durch das Stadtjugendamt und das Amt für Soziokultur übernommen. Aus den Budgets der beiden Ämter wird die Betriebskostenvorauszahlung direkt an das Gebäudemanagement Erlangen überwiesen. Betriebskostennachzahlungen sind aus dem laufenden Jahresbudget des Hauses zu erstatten und müssen bei der Haushaltsplanung berücksichtigt werden.

2.5.4 Finanzierung Hauserhaltung

Für die Instandhaltung des Gebäudes wird im Haushalt des Stadtjugendrings eine zweckgebundene Rücklage gebildet, in die jährlich eine bestimmte Summe aus dem Hausbudget eingestellt wird. Über die Höhe dieser Summe beschließt die Geschäftsführung der Trägergemeinschaft.

2.6 Evaluation

Evaluation wird im Sinne eines kontinuierlichen, integralen Verbesserungsprozesses verstanden.

2.6.1 Interne Evaluation

Qualitativ

In den wöchentlich stattfindenden Besprechungen der Abteilungsteams und im vierzehntäglich stattfindenden Abteilungsleiterteam wird die strukturelle, organisatorische und pädagogische Arbeit reflektiert und auf ihre Effizienz und Effektivität hin überprüft. Die Ergebnisse dieser Teamtreffen werden monatlich in der Dienstbesprechung mit Hausleitung und Vertretern der GF/TG besprochen.

Quantitativ

Eine vierteljährliche hausinterne Statistik bzgl. Raumnutzungen und Veranstaltungen in der Abteilung Stadtteilarbeit sowie eine quantitative Erhebung der Besuche in den Abteilungen OKA/OJA bilden die statistische Grundlage für die Jahresevaluation mittels vorbereiteter Erhebungsbögen vom Amt für Soziokultur und vom Stadtjugendamt.

Qualitätssicherung

Zur Sicherung hoher Fachlichkeit im pädagogischen Handeln und zur Wahrung von Professionalität werden den Bereichsleitungen regelmäßig Supervision und Fortbildung ermöglicht. Die Zielerreichung des Gesamthauses wird durch mindestens vierteljährliche Besprechungen zwischen Vertretern der Trägergemeinschaft und dem Hausteam evaluiert.

Wünsche und Meinungen der im Haus ehrenamtlich Aktiven fließen über regelmäßig stattfindende Hausversammlungen, denen sowohl Hausleitung als auch Vertreter der GF/TG beiwohnen, in die Arbeit mit ein. Für alle Hausnutzer findet einmal jährlich eine schriftliche Nutzerumfrage statt.

2.6.2 Externe Evaluation

Einmal im Jahr trifft sich die GF-TG mit Vertretern der Zuschussgeber zu einem Evaluationsgespräch. Grundlage dieses Gespräches bilden die zuvor von den Abteilungen ausgefüllten Erhebungsbögen vom Amt für Soziokultur und dem Jugendamt.

3 Leitlinie des Stadtteilhauses

Das Stadtteilhaus ist ein offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils Röthelheimpark (Housing Area und Neubaugebiet) gleich welchen Alters, welchen Geschlechts und welcher Nationalität. Die Begegnung der Lebenswelten, Kulturen und Generationen wird als Bereicherung gesehen.

Neben den hauptamtlich verantworteten Angeboten dient das Haus auch der Entfaltung und Unterstützung ehrenamtlicher Initiativen. Ehrenamtliche und Hauptamtliche arbeiten dabei partnerschaftlich zusammen.

4 Zielgruppen

Primär:

Zielgruppe der Arbeit des Stadtteilhauses sind alle Menschen des Stadtteils.

Zielgruppe der OKA sind in der Regel Kinder zwischen 6 und 14 Jahren.

Zielgruppe der OJA sind in der Regel Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren.

Zielgruppe der Stadtteilarbeit sind verbandlich organisierte Jugendliche und

Erwachsene, sowie die Familien, Erwachsenen und Senioren des Stadtteils.

Sekundär:

Mittelbare Zielgruppe der Zusammenarbeit mit dem Stadtteilhaus sind die Kolleginnen und Kollegen der sozialen Einrichtungen im Stadtteil, Lehrkräfte der Einzugsschulen, Betriebe, Unternehmen, Polizei und Stadtverwaltung, sowie private und/oder kommerzielle Anbieter soziokultureller Angebote

5 Ziele der Einrichtung

5.1 Allgemeine Ziele

5.1.1 Offenheit und Begegnung

Das Stadtteilhaus soll Kommunikation und Begegnung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils ermöglichen und fördern. Daher richtet es sich in der Ausgestaltung seiner Angebote an alle Bevölkerungsgruppierungen jeglichen Alters und Geschlechts im Einzugsgebiet. Das Haus ist als „offenes Haus“ konzipiert. Dies bedeutet zum einen offene Räume im Wortsinne, zum anderen ein vielfältiges Angebot, das sich an den heterogenen Lebenswelten der Bewohner orientiert und damit Offenheit ausstrahlt. Das Foyer steht unter der Woche als Begegnungs- und Versammlungsraum zur Verfügung. Die Nutzerinnen und Nutzer des Hauses, Anwohner, ehren- und hauptamtlich Engagierte können sich hier begegnen und miteinander in Kontakt kommen.

Im besten Fall wird die Integration unterschiedlicher Milieus unterstützt (z.B. Teilnahme von Kindern sowohl an Angeboten der Offenen Kinderarbeit als auch an verbandlich organisierten Angeboten für diese Altersgruppe).

5.1.2 Bildung

Lebensweltorientierte Bildungsangebote regen zu ganzheitlichem Lernen und Bilden an. Außerschulische und informelle Bildungsprozesse ziehen sich dabei durch die Angebote sämtlicher Säulen des Hauses.

Insbesondere werden in der Hausgemeinschaft demokratisches Bewusstsein und Handeln gefördert sowie im Umgang miteinander gefordert.

5.1.3 Lebendiger Stadtteil

Die Bevölkerung des gesamten Stadtteils nimmt das Haus als „ihr Haus“ an. Das Haus bietet den Bürgerinnen und Bürgern jeglichen Alters eine Plattform für stadtteilbezogene Themen. Hier können sich etwa Gleichgesinnte treffen, sich austauschen und ggf. organisieren, oder Diskussions- und Informationsveranstaltungen stattfinden.

5.1.4 Anlaufstelle und Treffpunkt für Kinder und Jugendliche

Das Haus bietet Kindern und Jugendlichen einen Treffpunkt zur individuellen und aktiven Freizeitgestaltung, bei der persönliche, soziale und interkulturelle Kompetenzen gefördert werden. Außerdem dient es als weitere Sozialisationsinstanz neben den tradierten Sozialisationsinstanzen wie Familie, Schule, Kirchen und Verbänden. Einen sehr hohen Stellenwert nimmt zudem die Präventionsarbeit ein.

5.1.5 Förderung und Unterstützung des Ehrenamts

Grundsätzlich können ehrenamtliche Gruppen aller Art, sofern sie in ihren Zielsetzungen nicht den Leitlinien des Hauses widersprechen und in Erlangen ansässig sind, die Räume des Hauses kostenlos nutzen. Bei Bedarf erfolgt eine Beratung und Unterstützung bereits tätiger ehrenamtlicher Gruppierungen in ihrer Arbeit (z.B. bei der Öffentlichkeitsarbeit). Ehrenamtlich Engagierte werden darüber hinaus beim Aufbau neuer Gruppen unterstützt.

5.1.6 Hilfe zur Selbsthilfe

Das Haus bietet Hilfe bei verschiedensten Problemen; ein besonderer Schwerpunkt liegt bei der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Programminhalte des Stadtteilhauses orientieren sich bei der Umsetzung an der Lebenswelt und dem Alltag der Stadtteilbewohner, deren eigenen Ressourcen und Kompetenzen sowie den kulturellen Unterschieden im Stadtteil.

Die hausinternen Abteilungen dienen ihrer Klientel in Bezug auf vielerlei Problemlagen als Erstberatungsinstanz. Dabei können sie nicht immer eine aktive Hilfestellung anbieten. Die Unterstützung äußert sich z.B. durch die Vermittlung an zuständige Beratungsangebote.

5.1.7 Vernetzung und Kooperation

Das Haus unterstützt die Vernetzung und Kooperation der Institutionen im Stadtteil und ist selbst in ein breit aufgestelltes Netzwerk eingebunden. Die Stadtteilkonferenz, zu der alle Einrichtungen des Stadtteils sowie Vertreter zuständiger Fachbehörden eingeladen sind, findet regelmäßig im Stadtteilhaus statt. Kooperationen mit anderen Einrichtungen und Institutionen bereichern das Programmangebot in der Einrichtung (z.B. VHS, Seniorenamt, Sportamt etc.).

5.2 Spezifische Ziele der Offenen Kinderarbeit¹

5.2.1 Stärkung der sozialen Kompetenz²

Die Offene Kinderarbeit geht altersgerecht auf die soziale Entwicklung und Kompetenz der Kinder ein, um sie beim Heranwachsen zum Jugendlichen zu begleiten und zu unterstützen. Im Kindheitsalter müssen Kompetenzen wie Toleranz, Konfliktfähigkeit aber auch die Entdeckung eigener Fähigkeiten verstärkt aufgegriffen und geübt werden.  Die Vermittlung gesellschaftlicher Werte und Normen im Rahmen eines humanistischen Weltbilds ist Grundlage zur sozialen Kompetenzvermittlung.

5.2.2 Unterstützung bei Problembewältigung³

Kinder mit individuellen Schwierigkeiten und Problemen im privaten oder schulischen Bereich müssen die Möglichkeit haben, über ihre Ängste oder Gefühle zu reden. Es ist deshalb das Ziel der offenen Kinderarbeit, Ängste und Probleme von Kindern zu erkennen, sie und ihre Familien bei der Problembewältigung zu beraten und zu unterstützen und auch nach außen hin als Anwalt die Interessen der Kinder zu vertreten.

5.2.3 Bedürfnisse der kindlichen Entwicklung wahrnehmen⁴

Die Offene Kinderarbeit stimmt ihre Angebote auf die psychosoziale Entwicklung der Kinder ab. So stehen für Kinder im Grundschulalter soziale und kulturelle Lernfelder im Vordergrund. Für Kinder im Übergang zur Sekundarstufe sind komplexere gesellschaftliche und soziale Themen für die Entwicklung bedeutend. Die kindliche Entwicklung wird bedarfsgerecht unterstützt, indem die Offene Kinderarbeit altersgerechte sowie geschlechtsspezifische Ehrfahrungs- und Erlebnisfelder bereitstellt.

5.2.4 Partizipation und Selbstverantwortung

Kinder lernen Selbständigkeit im alltäglichen Leben, wenn sie ihren Sozialraum mitgestalten können. Die Wünsche der Kinder bei der Umsetzung eigener Ideen werden deshalb  aufgegriffen und von den Pädagogen unterstützt. Die Identifikation mit der Einrichtung wird durch die gemeinsame Planung von Veranstaltungen sowie die gemeinschaftliche  Gestaltung der Räumlichkeiten erhöht. Gleichzeitig fördern Angebote, wie z. B. die mehrmals jährlich stattfindende Kinderversammlung, Toleranz im Umgang miteinander und regen zur aktiven Mitgestaltung an.

5.2.5 Prävention⁵

Prävention in der Offenen Kinderarbeit bezieht sich zum einen auf das Konsumverhalten von Kindern im Rahmen medialer Nutzung und zum anderen auf gesundheitliche Aufklärung. Mediales Konsumverhalten wird pädagogisch begleitet und ein angemessener Umgang mit verschiedenen Medien gemeinsam erlernt. Zudem wird zur gesundheitlichen Prävention eine sinnvolle und vielfältige Freizeitgestaltung angeboten. Schwerpunkte sind eine gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und soziale Kompetenzvermittlung.

5.2.6 Interkulturelle Kompetenz⁶

Interkulturalität ist ein natürlicher Bestandteil der Offenen Kinderarbeit. Durch die starke Heterogenität des Stadtteils treffen sich im Offenen Treff Kinder unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen. Kinder setzen sich im Offenen Treff mit ethnischer Vielfalt und ihnen unbekannten Lebensweisen auseinander. Es werden Werte der Akzeptanz und Toleranz vermittelt, sowie die Neugier für das Unbekannte geweckt und somit kulturelle und ethnische Erfahrungsräume geschaffen.

5.2.7 Demokratische und gesellschaftliche Grundprinzipien⁷

In der Offenen Arbeit mit Kindern ist die Vermittlung von Werten und Normen des gesellschaftlichen Miteinanders unabdingbar. Kinder brauchen ein Normen- und Regelverständnis, um ihre Lebenswelt nach ihren Vorstellungen gestalten zu können, ohne dabei ein friedliches Miteinander zu gefährden.

5.2.8 Förderung eigener kreativer und individueller Kompetenzen⁸

Kinder werden in der Entwicklung ihrer kreativen und individuellen Kompetenzen gefördert, um Stärken auszubauen und Schwächen einzugestehen und zu überwinden. So werden Freiräume und Entfaltungsmöglichkeiten geschaffen, die Kindern die Möglichkeit bieten, sich in ihren Fähigkeiten und Vorlieben auszuprobieren und zu entfalten. Dazu gehören sportliche, künstlerische sowie musikalische Aktivitäten.

5.2.9 Gewinnung Ehrenamtlicher⁹

Die Kinder der Offenen Kinderarbeit profitieren von kostenlosen Angeboten zur informellen Bildung und zur sinnvollen Freizeitgestaltung. Um eine große Angebotsvielfalt zu erreichen, strebt die Offene Kinderarbeit an, Ehrenamtliche für die Arbeit mit Kindern zu gewinnen.

5.2.10 Kooperation und Vernetzung

Kooperationen mit anderen Partnern relevanter Arbeitsgebiete für die Offene Kinderarbeit werden regelmäßig angestrebt und gepflegt. Eine niederschwellige Begegnungsmöglichkeit für alle Interessenten und Familien des Stadtteils, zu welchen gezielt angrenzende Institutionen geladen werden, sind zudem die mehrmals jährlich stattfindenden Kartoffelfeuer des offenen Kindertreffs sowie das Stadtteilfest, das mit weiteren sozialen Einrichtungen des Stadtteils gemeinsam veranstaltet wird. Diese Veranstaltungen erweitern die Angebotsstruktur der Einrichtung und sind sinnvoll und gewinnbringend für alle Kooperationspartner gestaltet.

5.3 Spezifische Ziele der Offenen Jugendarbeit¹⁰

5.3.1 Stärkung sozialer Kompetenz und der Persönlichkeitsentwicklung¹¹

Eine der Kernaufgaben der Offenen Jugendarbeit ist die Förderung der sozialen Kompetenzen sowie die Begleitung und Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen. Dies kann durch verschiedene Methoden und Strategien, z.B. durch Einzelberatung, Diskussionen oder Übertragung von Aufgaben, verfolgt werden. Ziel ist es immer, den Einzelnen auf seinem Weg zu einer mündigen und verantwortungsvollen Gestaltung der individuellen Lebenswirklichkeit zu begleiten.

5.3.2 Beteiligungsmöglichkeiten erarbeiten und ermöglichen¹² ¹³

Um dem bedarfs- und lebensweltorientierten Ansatz der pädagogischen Arbeit gerecht zu werden, werden die Jugendlichen dazu angeregt, sich an der Ausgestaltung eines attraktiven Angebotsspektrums zu beteiligen, selbst aktiv zu werden und Aufgaben zu übernehmen. Im Treffalltag sollen die Besucher gemeinsam mit den Mitarbeitern handeln und planen sowie mitentscheiden. So werden die Jugendlichen befähigt, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und Veränderungen ihrer Lebenswelt zu bewirken.

5.3.3 Unterstützung bei Problembewältigung¹⁴

Die Mitarbeiter des Jugendtreffs begleiten die Besucher bei Entwicklungsaufgaben und bieten konkrete sozialpädagogische Hilfe zur Lebens- und Problembewältigung an. Hierbei wird nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ gearbeitet, das die Jugendlichen ihre Stärken und Begabungen erkennen lässt und sie befähigt, Problemsituationen einzuschätzen und angemessene individuelle Lösungen zu erarbeiten. Die Jugendlichen werden sowohl bei Alltagsproblemen als auch bei schul- und arbeitsweltbezogenen Anliegen unterstützt. Im Bedarfsfall wird an Fachdienste verwiesen.

5.3.4 Förderung der individuellen Kompetenzen¹⁵

Durch sportliche, kreative oder musikalische Angebote sollen die Jugendlichen nicht nur beschäftigt, sondern ihnen auch die Möglichkeit gegeben werden, ihre individuellen Stärken und Fähigkeiten wahrzunehmen und weiterzuentwickeln. Hierfür ist es wichtig, den einzelnen Jugendlichen immer wieder herauszufordern etwas Neues auszuprobieren und seine Komfortzone zu verlassen, um so die Chance zu bieten, neue Kompetenzen zu entdecken und das eigene innere Bild damit zu erweitern.

5.3.5 Jugendarbeit präventiv gestalten¹⁶ ¹⁷ ¹⁸

Der Jugendtreff soll für die Jugendlichen einen Ort darstellen, an dem sie sich wohlfühlen und Regeln und Grenzen kennenlernen können. Damit werden schwierige Entwicklungstendenzen der Jugendlichen potenziell verringert und ebenso die Möglichkeit zur frühzeitigen Reaktion darauf geschaffen. Gleichzeitig sollen jugendkulturelle Entwicklungen und Fragestellungen (z.B. Mediennutzung oder Suchtverhalten) aufgegriffen und bearbeitet werden. Der Jugendtreff dient den Besuchern als Ort außerschulischer Bildung, der ihnen einen zunächst offenen Rahmen bietet und in dem ihnen gesellschaftliche Grundwerte und Orientierungen vermittelt werden sollen.

5.3.6 Demokratie lernen ermöglichen¹⁹ ²⁰

Der Jugendtreff gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen Werte und Verhaltensweisen zu entwickeln, die ein friedliches und gewaltfreies sowie selbst- und mitbestimmtes Zusammenleben fördern und ermöglichen. Hierzu zählen beispielsweise Toleranz, Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme oder Solidarität. Um dies zu erreichen, werden die Strukturen des Jugendtreffs so demokratisch wie möglich gestaltet und den Jugendlichen immer wieder die Gelegenheit gegeben, aktiv und gleichberechtigt auf die Programmausarbeitung Einfluss zu nehmen. Neben der jährlichen Bedarfserhebung erfolgt dies z.B. bei regelmäßig stattfindenden Hausversammlungen, in denen die Jugendlichen Kritik üben und Wünsche äußern können, die nach Möglichkeit berücksichtigt werden.

5.3.7 Erwerb interkultureller Kompetenzen ermöglichen²¹ ²²

Im Jugendtreff begegnen sich Jugendliche mit den unterschiedlichsten religiösen und kulturellen Hintergründen. Die Jungen und Mädchen sollen dazu angeregt werden, sich mit den verschiedenen Kulturen und den damit verbundenen Werten und Normen auseinanderzusetzen und diese neben der eigenen Lebensweise zu akzeptieren. Auch soll die eigenkulturelle Reflexion, das heißt die Bereitschaft, Normen und Werte sowie die
Selbstverständlichkeit der eigenen Kultur zu hinterfragen, gefördert werden.

5.3.8 Kooperation aktiv anstreben

Eine gelingende Kooperation der für Kinder und Jugendliche relevanten Bezugsgruppen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung einer erfolgreichen Jugendarbeit. Daher sind die Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit stets dazu angehalten, Möglichkeiten einer gewinnbringenden Kooperation zu suchen und aktiv anzustreben, wenn diese von den Beteiligten als nützlich eingeschätzt und gewünscht wird.

5.4 Spezifische Ziele der Stadtteilarbeit

5.4.1 Orientierung an den Bedürfnissen der Bewohner

Die Wünsche und Bedürfnisse der Stadtteilbewohner sind Orientierung für Aktivitäten und Leistungen des Hauses. Bevölkerungsgruppen mit einem spezifischen Defizit finden besondere Unterstützung im Haus. Ein niedrigschwelliger Zugang zum Haus ist gesichert, ein Kennzeichen dafür sind leistbare Kostenbeiträge.

5.4.2 Förderung von Engagement und Toleranz

Das Interesse der Erwachsenen, Senioren und Familien im Stadtteil ist geweckt und sie nutzen gemeinschaftlich das Haus. Ehrenamtliches Engagement für sich und andere wird unterstützt. Im Quartier herrscht ein tolerantes Stadtteilklima gegenüber Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren und allen sozialen Schichten.

5.4.3 Bildung und Bewusstseinsförderung

Lebensweltorientierte Bildungsangebote sind im Programm des Hauses zu finden. Eine Reflektion und gegebenenfalls Thematisierung von gesamtpolitischen Entwicklungen und Problemlagen bezogen auf den Stadtteil findet moderiert im Haus statt. Die Bewohner/innen des Stadtteils finden Teilhabe und Mitwirkungsmöglichkeiten in ihren Belangen und Bewältigung von Alltags- und Gesellschaftsproblemen.

5.4.4 Vernetzung im Stadtteil

Alle Bevölkerungsschichten haben Zugang und Teilhabe am kulturellen Leben des Stadtteils. Das Haus bietet Vernetzung von sozialen und kulturellen Organisationen im Stadtteil an. Das Stadtteilhaus bietet Raum zur Entwicklung gemeinsamer Stadtteilinteressen.

5.5 Sozialpädagogische Ansätze und Angebote der Offenen Kinderarbeit

5.5.1 Sozialpädagogische Ansätze der OKA

Schwerpunkt der offenen Kinderarbeit ist, Kinder zu betreuen, zu bilden und zu erziehen. Dies erfordert den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Pädagogen und Kindern.

Beziehungsarbeit

In der offenen Kinderarbeit arbeiten die Pädagogen nach den Grundsätzen der Beziehungsarbeit. Die Kinder werden in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand an- sowie ernstgenommen und die Mitarbeiter reagieren aktiv auf vorhandene Fragen. Zu einer fruchtbaren Beziehung gehören zudem konstruktive Auseinandersetzungen sowie das Bereitstellen von Modellen, Lernfeldern und angemessenen Übungsräumen.

Projekte und Aktionen

Eine Vorplanung der Angebote und Workshops findet jeweils am Jahresanfang statt, wobei die Wünsche der Kinder und deren aktuelle Interessen ganzjährig berücksichtigt werden. Die Mitarbeiter sammeln diese Ideen kontinuierlich, recherchieren für deren Umsetzung und suchen ehrenamtliche Mitarbeiter und Referenten. Die einzelnen Veranstaltungen werden in der Regel fotografisch dokumentiert und mit einer vorher erteilten Einverständniserklärung der Eltern für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt.

Beratung und Unterstützung

Die Besucher des Kindertreffs können sich jederzeit mit ihren Fragen und Problemen an die Mitarbeiter wenden. Die Pädagogen helfen den Kindern im Rahmen ihrer Möglichkeiten, beraten sie und suchen gemeinsam nach Lösungsstrategien. Bei Bedarf werden die Eltern informiert und beraten sowie Fachdienste einbezogen.

Förderung der Integration

Da der Röthelheimpark ein Stadtteil mit einem hohen Migrantenanteil aus über 40 Nationen ist, resultiert eine verstärkte Notwendigkeit integrativer Arbeit. In der offenen Kinderarbeit begleiten und unterstützen die Mitarbeiter alle Kinder auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit und ihre Integration in gesellschaftliche Prozesse.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Mitarbeiter des offenen Treffs veröffentlichen ihre Angebote und Projekte auf der Homepage und im Programmheft des Stadtteilhauses, im Gemeindeblatt der St. Matthäus Gemeinde sowie auf Aushängen, und Flyern.

5.5.2 Angebote und Methoden der OKA

Offener Kindertreff

Der offene Kindertreff FunKi ist die niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeit im Stadtteil Röthelheimpark für Kinder von 6 bis 12 Jahren aus verschiedenen soziokulturellen Gesellschaftsgruppen und bietet altersgemäße Inhalte, in deren Rahmen sich Kinder frei aber nicht ohne Unterstützung entwickeln können. Der Offene Treff ist ein freiwilliges und kostenfreies Angebot. Es ist die Entscheidung der Kinder, welche Veranstaltungen oder Programmpunkte sie im  Offenen Treff wahrnehmen, wie oft sie kommen und wie lange sie bleiben.

Workshop-Angebote

Zusätzlich zum offenen Treff gibt es regelmäßig organisierte Angebote wie z.B. Turniere, Kurse und Workshops sowie Hausaufgabenhilfe.

Im Rahmen von gemeinsam geplanten und umgesetzten Projekten erfahren die Kinder elementarste Grundregeln wie z. B. das Einhalten von getroffenen Absprachen. Zudem besteht eine Anmeldepflicht, womit eine gewisse Verbindlichkeit Voraussetzung für die Teilnahme ist.

Geschlechtsspezifische Arbeit

Eine wichtige Aufgabe im  Kindesalter ist die Übernahme der Geschlechterrolle und die damit stattfindende Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten, diese Rollen zu gestalten. Im offenen Treff wird die Möglichkeit geboten, dass sich sowohl Mädchen als auch Jungen ungezwungen in eigens dafür bereitstehenden  Genderräumen treffen und dort auch geschlechtsspezifische Themen ohne Scheu besprechen können. So haben sie die Möglichkeit, sich jenseits der Grenzen der kulturell zugewiesenen Geschlechterrolle auszuprobieren. Mit der Entwicklung eines differenzierten Rollenverständnisses wird den Kindern ein selbstbewusster, partnerschaftlicher und verständnisvoller Umgang miteinander ermöglicht.

Medienpädagogische Angebote

Kindern, welche zuhause nicht über einen PC oder Internetzugang verfügen, wird regelmäßig unter Anleitung die praktische und sinnvolle Anwendung von PC-Programmen und Internetangeboten ermöglicht. Die Internetrecherche für Hausaufgaben wird gezielt von den Mitarbeitern unterstützt. Die Nutzungsdauer des Computers ist für die Kinder auf 30 Minuten am Tag begrenzt.

Freizeitpädagogik und Ferienangebote

Freizeitpädagogische Angebote bieten den Kindern einen Ausgleich zu ihrem Schulalltag. Mittels der durchgeführten Ferienprogramme können soziale, kulturelle, kreative und kommunikative Handlungskompetenzen erweitert werden, die dann auch in andere Lebensbereiche wie z.B. Schule oder Familie übertragen werden. Die Veranstaltungen der offenen Kinderarbeit sind häufig kostenlos oder mit einer geringen Teilnahmegebühr versehen und bieten so eine Alternative zu kommerziellen Ferienangeboten.

Bildungsbereich, kulturelle und musische Bildung

Im FunKi bieten die Pädagogen Unterstützung bei schwierigen Hausaufgaben und nicht verstandenem Unterrichtsstoff an. Zudem helfen sie regelmäßig bei der Recherche im Internet für Referate. Einen breiten Raum nimmt die musikalische Erziehung ein, in deren Rahmen kognitive und psychomotorische Fähigkeiten gezielt gefördert werden und über die Bereitstellung von Musikinstrumenten die Kinder zum Ausprobieren angeregt werden.

Sportangebote, Gesundheitserziehung

Es ist notwendig, den Kindern genügend Platz mit der Möglichkeit zum Toben und Spielen zu geben und durch gemeinsam entwickelte Aktivitäten ihre Ausdauer und Kondition und den Spaß am Sport im Allgemeinen zu steigern. Das FunKi bietet deshalb eine vielfältige, abwechslungsreiche Ausstattung mit Spiel- und Sportgeräten an. Bei entsprechender personeller Besetzung finden täglich Sportangebote sowohl im Indoor- als auch im Outdoorbereich statt.

Gesunde Ernährung

Bei gemeinsamen Kochaktionen sowie in Ernährungskursen lernen Kinder sowohl Kooperation und Rücksichtnahme als auch den Umgang mit gesunden Lebensmitteln und die Zubereitung einfacher Mahlzeiten. Die Mitarbeiter achten auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, die Wünsche der Kinder werden dabei berücksichtigt. Außerdem wird darauf geachtet, dass viele Besucher aufgrund ihrer kulturellen und religiösen Herkunft  bestimmte Nahrungsmittel nicht zu sich nehmen dürfen. Wöchentlich wird von den Kindern und einem Mitarbeiter eine gemeinsame Koch- oder Backaktion geplant und umgesetzt.

Kreative und individuelle Kompetenzen stärken

Die Mitarbeiter der offenen Kinderarbeit schaffen einen Raum, in dem sich die Kreativität der Kinder entfalten kann. Sie legen großen Wert auf das gemeinsame und individuelle gestalterische Tun der Kinder im Rahmen von täglich stattfindenden spontanen und geplanten Kreativangeboten. Räume und Materialien, die immer wieder umfunktioniert, gestaltet  und bearbeitet werden können, unterstützen diese Entwicklung.

Ehrenamtliche Mitarbeiter

Ehrenamtliche Mitarbeiter sind in der offenen Kinderarbeit erwünscht und werden in ihren Angeboten beraten und unterstützt. Die Kinder erhalten von den  Ehrenamtlichen z.B. Hausaufgabenhilfe, Gitarrenunterricht, eine Einführung in Handarbeiten u.v.m.

 

5.6 Sozialpädagogische Ansätze und Angebote der Offenen Jugendarbeit

5.6.1 Sozialpädagogische Ansätze der OJA

Auf Basis des Menschenbilds und der beschriebenen Ziele und Zielgruppe ergeben sich grundlegende Schwerpunkte in der Arbeitsrealität. Im Zusammenhang dieses Konzepts sollen im Folgenden die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte kurz dargestellt und erläutert werden.

Beziehungsarbeit

Der Kern des pädagogischen Handelns im Rahmen der Offenen Jugendarbeit ist der Aufbau einer tragfähigen und belastbaren Beziehung zu den Adressaten. Hierzu werden geeignete Strategien zur Kontaktaufnahme entwickelt und angewandt. Mit diesen beabsichtigen die Mitarbeiter, die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Zusammenarbeit mit der Zielgruppe zu erhöhen. Ohne den Aufbau einer Beziehung zu den Adressaten ist eine gelingende Jugendarbeit nicht leistbar. Des Weiteren ist zu beachten, dass eine kontinuierliche personelle Besetzung innerhalb der Abteilung anzustreben ist, da so die Beziehungsarbeit positiv unterstützt wird.

Initiieren, Planen und Durchführen von Aktionen

Öffnungszeiten im Jugendtreff, eine Tagesfahrt in ein Schwimmbad, ein Kickerturnier oder ein Videodreh mit Jugendlichen – dies sind nur Beispiele der vielfältigen Angebotspalette der Abteilung Offene Jugendarbeit. Hierbei sind die Aktionen nicht als Selbstzweck zu verstehen. Vielmehr soll die Integration der Jugendlichen gefördert bzw. ein sinnvoller Beitrag zur Freizeitgestaltung geleistet werden. Bei der Durchführung von Aktionen wird immer geprüft, inwieweit Potential für Eigenengagement der Jugendlichen vorhanden ist. So soll es ihnen jederzeit ermöglicht werden, sich aktiv an der Planung und Durchführung der Aktionen zu beteiligen.

Beratung und Unterstützung

Die Offene Jugendarbeit bietet ein niedrigschwelliges Beratungsangebot an. Die Besucher des Jugendtreffs haben stets die Möglichkeit sich mit ihren Fragen und Problemen an die Mitarbeiter zu wenden. Im Rahmen deren Möglichkeiten und Kenntnissen wird versucht, die Jugendlichen lebenswelt- und alltagsorientiert zu beraten. Bei allen Beratungen kommt der Lösungsorientierung ein hoher Stellenwert zu. Ziel ist hierbei nicht, den Jugendlichen eine Lösung für die individuelle Problemlage bzw. Fragestellung zur Verfügung zu stellen, sondern vielmehr die Jugendlichen zu befähigen, die individuelle Lösung selbst zu erarbeiten. So kann gewährleistet werden, dass die erarbeiteten Lösungsstrategien von den Jugendlichen übernommen werden können und sich so Handlungsalternativen für die Zukunft entwickeln. Im Bedarfsfall werden Jugendliche, je nach individuellem Beratungsbedarf, an Fachdienste verwiesen.

Außerschulische Bildung

Nach §13 KJHG hat die Offene Jugendarbeit einen außerschulischen Bildungsauftrag. Dieser wird durch vielfältige Angebote, wie zum Beispiel Workshops, Beratungsgespräche oder Einzelfallbegleitung erfüllt. Die Themen sind hier so heterogen, wie die Bedarfslagen der Jugendlichen. Jedoch stellt der Übergang zwischen Schule und Beruf einen Kernpunkt der außerschulischen Bildung innerhalb des Jugendtreffs dar.

Förderung der Integration

Besonders im Umgang mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund soll die Jugendarbeit einen Teil zur Integration beitragen. Dies kann auf mehreren Ebenen stattfinden. So hat das Verhalten der Mitarbeiter für die Jugendlichen einen Vorbildcharakter, die Mitarbeiter sind dazu angehalten allen Besuchern wert- und vorurteilsfrei zu begegnen. Innerhalb des Jugendtreffs kann durch die Implementierung von basisdemokratischen Strukturen, wie z.B. einer Hausversammlung, ein Teil zur Integration und Sozialisation der Jugendlichen geleistet werden. Des Weiteren wird durch individuelle Gespräche mit den Besuchern transparent gemacht, welche verschiedenen ethischen und moralischen Konzepte in deren Lebenswelt vorliegen und wie man diese miteinander vereinbaren kann. Hierbei ist es wichtig, die unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Herkunft, Religion oder soziale Schicht zu berücksichtigen. Es soll nicht Ziel sein, die unterschiedlichen Meinungen und Realitätskonzepte der Jugendlichen zu assimilieren, sondern vielmehr jedem Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich kritisch mit den eigenen und fremden Integrationserwartungen und -möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Information der Öffentlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsalltags der Mitarbeiter in der Abteilung Offene Jugendarbeit. Dies sorgt für die notwendige Transparenz über das, was innerhalb der Abteilung passiert. Des Weiteren kann die Jugendarbeit so auf sich aufmerksam machen und ggf. Jugendliche dazu bewegen, den Jugendtreff zu besuchen. Hierzu nutzt die Offene Jugendarbeit mehrere Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit. Für die Besucher werden vor allem internetbasierende Kanäle genutzt, wie z.B. soziale Netzwerke. Für die breite Öffentlichkeit werden neben der Homepage des Stadtteilhauses auch Presseartikel für die lokalen Printmedien verfasst. Für beide Zielgruppen werden auch eigens dafür gestaltete Druckerzeugnisse erstellt und verteilt.

Sozialraumorientierung

Wie in der Einleitung beschrieben, handelt es sich bei dem Stadtteil Röthelheimpark um ein sozial heterogenes Gebiet. Deshalb verfolgt die Jugendarbeit im Stadtteil einen am Sozialraum orientierten pädagogischen Ansatz. So ist es zwar Ziel, die individuellen Lebensverhältnisse der Besucher zu verbessern, jedoch soll dies nicht durch eine Orientierung am Einzelfall geschehen. Vielmehr soll die Jugendarbeit die Möglichkeit für die Besucher bieten, in einen Austausch zu treten und gemeinsame Interessens- und Problemlagen zu finden und zu bearbeiten. Die Mitarbeiter treten in diesem Kontext als überparteiliche Moderatoren auf.

5.6.2 Angebote und Methoden der OJA

In der praktischen Arbeit greifen die Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit auf verschiedene Methoden zurück, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle beschriebenen Angebote auf freiwilliger Basis von den Jugendlichen genutzt werden können.

Offener Treff

In der Zeit des Offenen Treffs stehen den Besuchern die Räumlichkeiten mit ihrer Ausstattung zur freien Verfügung. Der Offene Treff kann in der Regel gemeinsam von Mädchen und Jungen besucht werden. Er bietet ihnen die Möglichkeit, die Mitarbeiter, die Einrichtung sowie deren Programm unverbindlich kennenzulernen. Während der Öffnungszeiten können besondere Programmpunkte, wie beispielsweise Filmabende oder Kreativangebote genutzt werden. Wenn möglich, werden Ideen der Jugendlichen in das Programm aufgenommen.

Workshop-Angebote

Über den Offenen Treff hinaus bieten die Mitarbeiter des Jugendtreffs den Besuchern zeitlich begrenzte Workshop-Angebote an. Diese können aus dem kreativ-künstlerischen, musikalischen oder sportlichen Bereich stammen aber auch Themen wie z.B. Gesundheit und Ernährung umfassen. Ziel ist es hierbei, Interesse für alternative Freizeitmöglichkeiten zu wecken sowie Fähig- und Fertigkeiten der Jugendlichen zu erkennen und zu fördern.

Partizipationsangebote

Die Mitarbeiter bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, sich aktiv an der Gestaltung des Jugendtreffs zu beteiligen. So können die Jungen und Mädchen gestalterische und politische Handlungsmöglichkeiten erfahren und soziale Kompetenzen erwerben. Beispiel für ein solches Partizipationsangebot ist die regelmäßig stattfindende Hausversammlung, bei der die Jugendlichen den Mitarbeitern Feedback geben, Programmwünsche äußern und Gestaltungsideen für den Jugendtreff vorbringen können.

Geschlechtsspezifische Arbeit

Die Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit betreiben Zielgruppenarbeit mit Mädchen und Jungen. Während des wöchentlichen einstündigen Jungen- bzw. Mädchentreffs haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichen Rollenverständnissen und -erwartungen auseinanderzusetzen, sich über Schule, Eltern und Freunde auszutauschen, Probleme zu besprechen und Fragen zu Themen wie Sexualität oder Beziehung zu stellen. Darüber hinaus können geschlechtsspezifische Angebote auch jederzeit niedrigschwellig in die Öffnungszeiten des Jugendtreffs integriert werden oder in einem geschützten Rahmen, z.B. in einem der Genderräume, stattfinden. Die Jugendlichen werden mit ihren jeweils verschiedenen geschlechtstypischen Lebenslagen und Entwicklungsaufgaben ernst genommen und zu einer Auseinandersetzung mit diesen motiviert. Sie werden beim Aufbau einer männlichen bzw. weiblichen Geschlechtsidentität unterstützt.

Medienpädagogik

Die moderne multimediale Gesellschaft setzt Medienkompetenz voraus. Das Stadtteilhaus ist mit sechs internetfähigen Computern ausgestattet. Im pädagogischen Alltag wird den Jugendlichen gezeigt, wie sie einen Computer bedienen, dessen Programme benutzen und gezielte Recherchen, z.B. im schulischen Kontext, betreiben können. Vor allem im Umgang mit dem Internet werden sie pädagogisch begleitet, um auf aktuelle Trends einzugehen und mediale Aufklärungsarbeit zu leisten. Für Jugendliche bedenkliche Inhalte des Internets werden immer aufgegriffen, ernsthaft behandelt und niemals tabuisiert. Die Jungen und Mädchen sollen lernen, sich aktiv, kritisch, bewusst, selektiv und produktiv mit Medien auseinandersetzen.

Freizeitpädagogische Angebote

Freizeitpädagogische Angebote bieten den Jugendlichen einen Ausgleich zu ihrem Schul- oder Arbeitsalltag. Bei Tagesaktionen oder -ausflügen sowie mehrtägigen Ferienfahrten können darüber hinaus aber auch neue Freizeitmöglichkeiten entdeckt und Neigungen, Interessen und Bedürfnisse entwickelt und ausgelebt werden. Gezielte freizeitpädagogische Angebote können soziale, kulturelle, kreative und kommunikative Handlungskompetenzen erweitern, die dann auch in andere Lebensbereiche übertragen werden, z.B. Schule oder Familie.

Einzelberatung

Die sozialpädagogische Beratung im Jugendtreff ist im Wesentlichen durch ihren Alltags- und Lebensweltbezug gekennzeichnet. Alles was im Alltag problematisch werden kann, kann auch zum Thema der Beratung werden. Ziel hierbei ist es, den Jugendlichen optimale Unterstützung bei der Bewältigung von belastenden Problemen zu bieten, unabhängig davon, um welche Adressatengruppe es sich handelt. Im Alltag kann es immer wieder zu Konflikten zwischen den Jugendlichen, mit ihren Eltern, Lehrern oder anderen Einwohnern des Stadtteils kommen. Hier stehen die Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit als Ansprechpartner zur Verfügung, um sie hinsichtlich der Konflikt-, Problem- und Krisenbewältigung zu beraten. Für Beratungsbedarf, der während des offenen Treffs nicht gedeckt werden kann, gibt es eine terminlich festgelegte Beratungsstunde außerhalb der Öffnungszeiten des Jugendtreffs.

5.7 Sozialpädagogische Ansätze und Angebote der Offenen Jugendarbeit

Förderung ehrenamtlicher Interessengruppen

Ehrenamtlich geführte Interessengruppen aller Art (Mutter-Kind-Gruppen, kulturell aktive Gruppen, Bürgerinitiativen u.a.) sollen, soweit ihre Ziele mit denen des Hauses vereinbar sind, gefördert werden. Dazu werden Räume und Ausstattung kostenlos zur Verfügung gestellt, bereits bestehende Gruppen werden bei Bedarf in ihrer Arbeit inhaltlich und im Bereich Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Darüber hinaus bietet die Einrichtung Hilfestellung und Unterstützung bei der Neugründung ehrenamtlich aktiver Gruppen an.

Angebotspalette erweitern

Das Angebotsspektrum soll durch Träger, Vereine oder anderweitig ehrenamtlich organisierte Gruppen und Einzelpersonen, welche Angebote für die Bürgerinnen und Bürger im Erlanger Osten offerieren, erweitert werden. Dies beinhaltet z.B. Kursangebote seitens der vhs, Beratungsangebote Externer, Kulturveranstaltungen, Vorträge, Kinder- und Jugendarbeit freier Träger (z.B. Jugendverbände des SJR, Pfadfinder) oder Veranstaltungen zur politischen Willensbildung (z.B. Diskussions- und Informationsveranstaltungen von Bürgerinitiativen oder Parteien). Bei Bedarf sollen potentielle Anbieter aktiv angesprochen und auf die Möglichkeiten zur aktiven Teilhabe und Mitwirkung an der Ausgestaltung der Angebote des Stadtteilhauses aufmerksam gemacht werden.

Aufgreifen von Anliegen der Anwohner

Im Stadtteil entstehende Fragestellungen oder Konfliktpunkte, bei denen eine breite Bürgerbeteiligung sinnvoll erscheint, werden durch die Stadtteilarbeit aufgegriffen. Es werden geeignete Mittel zur Information und Diskussion angeboten. Hierbei fungiert der Stadtteilarbeiter als Ansprechpartner, Organisator und ggf. als Vermittler.

Konfliktmoderation/Mediation

Bei Konflikten in der Nachbarschaft, Beschwerden oder Wünschen der Bürgerschaft an die Stadtverwaltung, die Betreiber des Stadtteilhauses oder andere öffentliche Träger kann der Stadtteilarbeiter eine moderierende oder schlichtende Rolle einnehmen. Gleiches gilt für Konflikte unter den im Stadtteilhaus aktiven haupt- und ehrenamtlich betreuten Gruppen.

Vernetzung

Die im Stadtteilhaus aktiven ehren- und hauptamtlich betreuten Gruppen sowie im Stadtteil aktive Gruppen werden zu gemeinsamen Aktivitäten animiert. Begegnungsmöglichkeiten für alle Bewohner des Stadtteils (z.B. Stadteilfest, Nachbarschaftsfeste) werden initiiert und aktiv unterstützt.

Nicht gemeinnützige Vermietungen

Der Mehrzwecksaal und die Gruppenräume des Stadtteilhauses werden auch für nicht-gemeinnützige Zwecke (z.B. Privatfeiern, Wohnungseigentümerversammlungen, kommerzielle Kulturveranstaltungen) gegen Entgelt zur Verfügung gestellt.

Öffentlichkeitsarbeit

Das Team des Stadtteilhauses zeichnet sich für die Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung verantwortlich. Öffentlichkeitsarbeit wird hierbei zum einen als Instrument der Werbung für die Angebote der Einrichtung selbst verstanden, als auch als Möglichkeit, die eigene Arbeit gegenüber der Stadtverwaltung, den zuständigen Fachbehörden und der Bevölkerung zu legitimieren. Kanäle für die Öffentlichkeitsarbeit sind hierbei lokale Printmedien, die in- und externe Bewerbung von Veranstaltung über Flyer und Plakate, eine selbstverwaltete Homepage und die Nutzung von sozialen Medien, z.B. über einen eigenen Facebook Auftritt.

6. Fazit

Das Stadtteilhaus ist Treffpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger jeden Alters und jeder Herkunft: sowohl aus dem Bereich der Neubausiedlung als auch aus der Housing Area nutzen Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren die Angebote und Räume des Hauses und engagieren sich ehrenamtlich.

Das überarbeitete Konzept für den Betrieb des Stadtteilhauses wird weiterhin dazu beitragen, die Eigenverantwortung im Stadtteil zu stärken, die sozialen und persönlichen Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger zu fördern und somit zu einem gemeinschaftlichen Lernen und Wachsen des Stadtteils beizutragen.

Herausforderungen für die nähere Zukunft liegen in der Nachverdichtung im Bereich der Housing Area (steigende Besucherzahlen, ggf. andere Bedarfe), sowie in der Arbeit mit Flüchtlingen aus der Unterkunft in der Hartmannstraße.

Fußnoten

[1] Vgl. i.F. Präambel des Leistungsvertrages zwischen der Stadt Erlangen und der Trägergemeinschaft des Stadtteilhauses Röthelheimpark bzgl. der übergeordneten Ziele der Kinder- und Jugendarbeit

[2] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[3] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bereitstellung eines niedrigschwelligen, an den Lebenslagen der Besucher orientierten Beratungsangebotes “

[4] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bereitstellung eines niedrigschwelligen, an den Lebenslagen der Besucher orientierten Beratungsangebotes “ und „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz“

[5]Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[6] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[7] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Unterstützung und bedürfnisorientierte Förderung eigenständiger jugendkultureller Entfaltung “

[8] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bereitstellung bedürfnisorientierter, außerschulischer Bildungsangebote“

[9] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung des ehrenamtlichen Engagements “

[10] Vgl. i. F. Präambel des Leistungsvertrags zwischen der Stadt Erlangen und der Trägergemeinschaft bzgl. der übergeordneten Ziele der Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteilhaus Röthelheimpark

[11] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[12]Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Unterstützung und bedürfnisorientierte Förderung eigenständiger jugendkultureller Entfaltung“

[13] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung und Anregung der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen bei der aktiven Gestaltung ihrer wohnortnahen Lebenswelt“

[14] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bearbeitung von Themen und Konflikten der Jugendlichen des Stadtteils, auch vor Ort innerhalb des Stadtteils“

[15] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[16] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bereitstellung bedürfnisorientierter, außerschulischer Bildungsangebote“

[17] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bearbeitung von Themen und Konflikten der Jugendlichen des Stadtteils, auch vor Ort innerhalb des Stadtteils“

[18] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bereitstellung eines niedrigschwelligen, an den Lebenssituationen und Lebenslagen der Besucher orientierten Beratungsangebotes und bei Bedarf Vermittlung an kooperierende Stellen für weitergehende Hilfen“

[19] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[20] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Unterstützung und bedürfnisorientierte Förderung eigenständiger jugendkultureller Entfaltung“

[21]Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz von Kindern und Jugendlichen“

[22] Vgl. Präambel des Leistungsvertrages: „Bearbeitung von Themen und Konflikten der Jugendlichen des Stadtteils, auch vor Ort innerhalb des Stadtteils“